Europäisches Denken in der Gesundheitsvorsorge tut not ! Schluss mit der Abhängigkeit bei Medikamenten, Schutzbekleidung und Co.

 1,298 total views,  5 views today

Jetzt ist europäisches Denken mehr denn je gefragt. Es geht um Investitionen in eine europäische Pharmaindustrie, um europäische Medikamentenforschung aber auch um technische Hilfsmittel wie Schutzanzüge, Sauerstoffgeräte, etc. mit ein Fehler der vergangenen Jahre war, die Produktion in zu hohen Anteilen in den Fernen Osten – vor allem nach China oder Taiwan – auszulagern und die Forschung zu vernachlässigen: Sowohl die angewandte als auch die Grundlagenforschung.

Eine vereinigte europäische Medikamentenindustrie – beim Airbus ist es ja auch gelungen, dem Marktführer Boeing die Stellung streitig zu machen – wäre die beste Investition. Auch makroökonomisch gesehen. Davon würden Wissenschaft und Produktionsstandorte profitieren und Europa wäre autonom, gerade was die Bewältigung von Krisensituation betrifft.

Österreich könnte einen wesentlichen Anteil leisten: Unsere Forschungscluster  an der Meduni sowie am IMBA und in Doppler-Instituten sind  exzellent, genießen international hohes Aufsehen. Wenn wir die Rahmenbedingungen weiter verbessern, würden wir auch den Brain-Drain der vergangenen Jahre eindämmen. Mehr noch: Wien  wäre wieder interessant für internationale Forscher.

Der Wettlauf um Corona-Medikamente hat schon begonnen. Die USA haben beispielsweise einen Großteil des verfügbaren Stoffes Remdesivir aufgekauft.

Wir dürfen nicht vergessen: Es gab während der Corona-Anfangsphase tagelanges Warten auf Maskenlieferungen, wobei ein Teil dieser Lieferungen blockiert wurde und ein anderer Teil unbrauchbar war.

Wenn sich demnächst die EU-Staatsoberhäupter treffen, sollte eine gemeinschaftliches Vorgehen in der Gesundheitsindustrie ganz oben auf der Agenda stehen. Das fordern immer mehr Wissenschafter und auch Ökonomen.

In Europa haben wir potente Pharmafirmen, die man bündeln könnte und es gibt herausragende Produktionsstandorte – auch in Österreich.

Die Globalisierung hat aufgezeigt wie verletzlich das System ist und wie schnell es totgelegt werden kann. Regionales und lokales Denken sind wieder gefragt. Zudem sichert man damit auch Arbeitsplätze beziehungsweise schafft neue qualifizierte Jobs.

Der Gesundheitsmarkt zählt zu den am verlässlichst und stabilst wachsenden – auch in Zukunft. Dieser Markt sollte ein europäischer bleiben.

Denn etwas ist gewiss: Corona ist noch nicht überwunden. Jetzt vorsorgen, tut not.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Kommentar verfassen