Brauchen wir noch mehr Signale und Alarmzeichen? Die Politik nimmt Corona zu wenig ernst. Maskenpflicht indoor ist unerlässlich. Ebenso: Abstandskontrollen.

 2,908 total views,  5 views today

Corona geht weiterhin um und viele wollen es nicht wahrhaben. Mittlerweile ist es fast schon so, dass jeder einen kennt, der irgendwie mit Corona konfrontiert war. Dennoch scheint eine Lässigkeit und Leichtfertigkeit zu herrschen, als ob nie etwas gewesen wäre. In den Öffis fährt jeder zehnte ohne Maske und es werden mehr als weniger. Es werden wieder Parties gefeiert und die Drängelei in den Supermärkten und anderen großen Geschäften nimmt zu.

Führende Epidemiologen und Intensivmediziner warnen jetzt schon vor mehr Neuinfektionen im Herbst und mahnen einen voraussehenden Handlungsplan ein.

Die Politik hingegen scheint ihre Meinung tagtäglich zu ändern, es folgen widersprüchliche und unklare Erlässe aufeinander, und manche , die zu den großen Warnern zählten, sagen heute überhaupt nichts mehr.

Wie unendlich rasch sich Corona verbreitet, wenn auch nur eine Person infiziert ist, zeigt sich nahezu tagtäglich an neu entstehenden Herden. Irgendwann werden sie – auch kraft der Mobilität der Menschen – nicht mehr zu beherrschen sein. Bei den Grenzkontrollen fehlt es vielfach an gesundheitsgeschultem Personal, zudem sind die diversen Ein- und Ausreiseregelungen nicht transparent und ändern sich laufend. Dennoch fahren viele Menschen ins Ausland auf Urlaub. Und entziehen sich vielfach jeglicher Kontrolle.

Österreich ist nicht allein. In allen unseren Nachbarländern, insbesondere in den Tourismusländern, steigt die Zahl der Neuinfizierten und Neuerkrankten laufend. Die Gefahr der Erregermigration wächst beständig.

In weniger als 9 Wochen beginnt wieder die Schule – einen einheitlichen Masterplan gibt es nicht, viele Schulen sind infrastrukturell den Herausforderungen nicht gewachsen.

Wir haben wenig Zeit, um uns gut aufzustellen, ein wirksames Tracing – und Tracking-Verfahren zu entwickeln, die Corona-App hat zu wenige Downloads.

Und nochmals: Wir müssen effizient diejenigen schützen, die an der Front stehen – Ärzte vor allem und Pflegekräfte, Betreuer in der Altenpflege, Polizisten und sonstige Mitarbeiter in sozialen Dienstleistungen. Auch da herrscht zu wenig Sorgsamkeit.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Kommentar verfassen